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Reisebericht: Familienurlaub auf Mallorca
Wer am Morgen mit der ersten Maschine auf dem mallorquinischen Flughafen Son Sant Joan gelandet ist und das erste Mal die warme, seidige Luft geatmet hat, die einem nach Öffnung der Kabinentür entgegenströmt, der weiß, wie sich Urlaub anfühlt. Der beginnt jedoch mit einer Geduldsprobe: Die Wege auf Spaniens drittgrößtem Verkehrsflughafen sind lang und die Förderbänder an der Gepäckausgabe arbeiten mit „südländischer“ Gemächlichkeit – da kann es schon mal dauern bis alle Gepäckstücke beisammen sind. Hat man aber endlich alle Koffer, Taschen, Babyschalen oder Buggys in Empfang genommen kann es endlich losgehen. Mit dem bereits in Deutschland vorreservierten Mietwagen geht es über die gut ausgebaute Autobahn von Palma in Richtung Norden: Hier, auf der Halbinsel Victoria, eingerahmt von den Buchten von Alcudia und Pollenca liegt unser Ferienhaus in der Villensiedlung Bonaire. Einen eigenen Strand besitzt das ruhige, am Fuß eines Berges gelegene, Bonaire zwar nicht, aber die Touristenhochburg Port d´Alcudia und viele kleinere, teilweise sehr malerische Buchten sind nur wenige Autominuten entfernt. Viele Deutsche haben sich hier niedergelassen, Ferienhäuser gebaut und sich häufig mit der Vermietung ihres Eigentums an Urlaubsgäste ein Zubrot geschaffen. Die Zahl der privaten Quartiere auf der Insel, die an Individualtouristen vermietet werden, hat in den letzten Jahren zugenommen: Vom schicken Appartement an der Playa de Palma, über rustikale Fincas im Landesinneren bis hin zu hochmodernen Villen mit beheiztem Pool und Blick aufs Meer ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei.
In einem Ferienhaus gibt es allerdings kein All Inclusive-Buffet, sondern Selbstversorgung ist angesagt: Auf Mallorca kein Problem, denn Supermärkte gibt es reichlich und das Angebot kann in Sachen Preis, Qualität und Frische locker mit dem deutschen Standard mithalten oder übertrifft es sogar: So ist eine gut sortierte und mit kompetentem Personal besetzte Frisch-Fischtheke in den meisten Märkten Standard. Auch auf deutsche Produkte braucht man nicht zu verzichten: Von Spreewald-Gurken bis zu Markenbabynahrung ist auf der Insel alles erhältlich. Eine große deutsche Drogerie und ein Lebensmitteldiscounter haben mehrere Filialen auf Mallorca eröffnet und bieten so ein Stück Heimat.
Für Familien mit kleinen Kindern besonders geeignet sind die Bucht von Alcudia, die Strände von Cala Ratjada, Es Trenc und natürlich die Playa de Palma: Weißer Sand, tiefblaues, flaches Wasser und eine gelungene Mixtur aus touristischer Infrastruktur, wie Strandbuden und Bars, sowie ruhigen Ecken bieten die besten Vorraussetzungen für einen entspannten Urlaubstag am Meer.
Die berühmt-berüchtigten Partyzonen an der Playa de Palma gibt es natürlich immer noch, doch belegen die Ballermänner von jeher nur einen kleinen Teil der Strände. Darüber hinaus gibt es entlang der gesamten Küste unzählige kleine Badebuchten, die oftmals nur über einen mäßig ausgebauten Trampelpfad oder per Boot erreichbar sind: Liegstuhlvermieter oder Imbissbuden sucht man hier natürlich vergebens, dafür hat man unter Umständen das Glück völlig allein am Strand zu sein. Für Kinder sind diese wilden, unberührten Strände mit ihren Steinen, Felsen und dem tiefblauen Wasser natürlich der perfekte Abenteuerspielplatz. Aus den Augen lassen sollte man aber auch ältere Kinder hier nicht, denn gerade in der Nähe von Felsen und Klippen lauern gefährliche Strömungen und Strudel.
Im Meer oder im hauseigenen Pool baden und planschen sind für Kinder jeden Alters natürlich die Hauptattraktionen auf der Insel und im Sommer lassen sich so auch ohne weiteres zwei Wochen herumkriegen.
Wer allerdings in den Herbst- oder Osterferien nach Mallorca fliegt, sollte sich über eines im Klaren sein: Die Insel des ewigen Sommers ist Mallorca nicht. Zwar kann man ohne weiteres Abends in T-Shirt und Flip-Flops auf der Terrasse sitzen, während in Deutschland bereits Winterreifen aufgezogen werden.Eine Garantie für schönes Wetter gibt es im Frühjahr oder Herbst aber nicht. Ein warmer Pullover, Regenjacke oder Schirm sowie feste Schuhe gehören also auf jeden Fall ins Gepäck. Der Oktober zum Beispiel ist der regenreichste Monat auf der Insel und in kalten Wintern kann auf den Gipfeln des Tramuntana-Gebirges sogar Schnee fallen. Mit Frühlingsbeginn im Februar dagegen zeigt sich die Insel während der Mandelblüte von ihrer schönsten Seite und auch im März gibt es längere warme und sonnige Abschnitte, ehe das Wetter im April noch mal unbeständiger wird. In der Zeit von Mai bis Ende September herrscht dann auf der Insel Hochsommer, mit warmen Temperaturen und Sonne satt. Wer außerhalb dieses Zeitraumes fährt sollte sich also Gedanken darüber machen, wie man die Zeit auch an kühleren Tagen sinnvoll und für Kinder spannend gestaltet. An lohnenden Ausflugszielen herrscht auf der Insel allerdings kein Mangel: Wer gerne wandern geht, findet in der Serra de Tramuntana interessante Touren jeden Schwierigkeitsgrades. Viele davon sind auch für kleinere Kinder durchaus zu bewältigen. Mancher dieser Wege führt zu einem der alten Talaias, Wachtürme, von denen aus früher Ausschau nach Piraten gehalten wurde, und die im Abstand von rund 50 Kilometern entlang der gesamten Küste errichtet wurden.
Die Berge lassen sich aber auch mit dem Wagen sehr gut erkunden, die Straßen durch das Tramuntana-Gebirge sind alle gut ausgebaut und bieten eine Fülle von Eindrücken und atemberaubenden Aussichten. Eines der beliebtesten Ziele ist die Bucht von Sa Calobra, die man über eine anspruchsvoll zu fahrende Serpentinenstraße erreicht. Am Ende der Bucht liegt der Torrent de Pareis, ein nicht immer Wasser führender Sturzbach, der durch eine Schlucht vom Gebirge bis an die Küste führt und zu den schönsten landschaftlichen Sehenswürdigkeiten der Insel zählt.
Ebenfalls lohnend ist ein Ausflug zum Heiligtum von Lluc: Bereits die balearischen Ureinwohner haben vermutlich hier ihre Götter verehrt, später wurden dann ein Kloster und eine Kirche zur Marienanbetung errichtet. Lluc ist einer der beliebtesten Wallfahrtsorte des Landes. Zum Kloster gehört mittlerweile auch ein Internat, dass einen der besten Knabenchöre Spaniens hervorgebracht hat. Interessanter als die Klosterkirche mit ihren Schätzen sind für Kinder aber sicher die in der Nähe angelegten Picknick- und Spielplätze. Zwischen alten Steinen sind mehrere Grillroste aufgebaut und auf rustikalen Sitzbänken lässt sich so wunderbar ein Nachmittag verbringen. Bei den Spaniern sind diese Picknick-Ausflüge vor allem Wochenende überaus beliebt, daher kann es durchaus voll werden.
Eine nicht nur für Kinder spannende Angelegenheit ist ein Besuch in den beiden berühmtesten Höhlen der Insel: Der Drachenhöhle bei Arta, wo man allerdings vor allem im Sommer mit langen Wartezeiten rechnen muss, und die weniger bekannte, aber nicht minder interessante Tropfsteinhöhle bei Campanet.
Im Restaurant zu essen ist für viele Familien im Urlaub eine willkommene Abwechslung: Dazu gibt es auf Mallorca reichlich Gelegenheit, die Insel hat eines der besten gastronomischen Angebote Europas. Von typisch mallorquinischer Landküche, über spanische Tapas bis hin zu den hippen Kreationen der neuen jungen Küche, ist alles vorhanden. Essen gehen ist auf Mallorca allerdings nicht billiger als anderswo, die Zeiten in denen man auf der Insel preiswert essen und trinken konnte sind lange vorbei. Mittlerweile hat allerdings im Zuge der Wirtschaftskrise, durch die vor allem viele englische Touristen zu Hause geblieben sind, so mancher Wirt die Preisspirale wieder zurückgedreht. Kinder sind auf Mallorca in eigentlich allen Restaurants herzlich willkommen, überall gibt es entsprechende Stühlchen, manche Gastronomen bieten ihren kleinen Gästen auch einen Spielplatz oder sogar ein Schwimmbecken an. Zwar ist die Auswahl der Kindergerichte nicht immer im Sinne einer ausgewogenen Ernährung, aber im Urlaub dürfen es vielleicht auch mal Fritten und Hähnchennuggets statt Bio-Gemüse sein.
Empfehlungen zur Reiselektüre:
Familie&Co: Familien-Reiseführer Mallorca, ISBN 3-89740-387-0
Eric Maron; Die Rebellinnen von Mallorca, historischer Roman, ISBN978-3-426-63736-4
George Sand: Ein Winter auf Mallorca, ISBN (13): 978-3-423-12497-3 Fotos: © amiganer - Fotolia.com Kommentare zum Artikel:
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