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Feste und Brauchtum: St. Martin
Der heilige Martin: Soldat, Bischof, Heiliger
Ob sie sich allerdings wirklich so zugetragen hat, weiß natürlich niemand: Als relativ gesichert gilt, dass Martin irgendwann Anfang des 4. Jahrhunderts geboren wurde. Er war Offizier im römischen Heer und fand irgendwann während der blutigen Feldzüge in Germanien den Weg zum Christentum. Während seiner Stationierung in Amiens, im damaligen Gallien, soll sich auch die berühmte Episode mit dem geteilten Mantel zugetragen haben.
Später wurde Martin dann einer der wichtigsten frühchristlichen Missionare und später Bischof der Stadt Tours. Angeblich soll sich Martin aus Bescheidenheit geweigert haben, die Wahl zum Bischof anzunehmen und versteckte sich deswegen in einem Gänsestall vor den Würdenträgern der Stadt. Da die Gänse Martin aber durch ihr Schnattern verrieten, musste er sein Amt trotzdem antreten. Den Gänsen freilich ist ihr „Verrat“ nicht gut bekommen, denn sie wurden dem frischgebackenen Bischof als Braten vorgesetzt – und Gänsebraten gehört zum Martinstag auch heute noch dazu.
Von Laternen, Liedern und Weckmännern – Martinsbräuche in Deutschland
Meist reitet ein als Heiliger Martin kostümierter Darsteller auf einem Pferd dem Zug voran, gefolgt von Kindern mit Laternen.
Während des Umzugs singen die Kinder verschiedene Lieder, die sich mit dem Leben des Heiligen, aber auch allgemein mit den Themen Herbst, Licht und Nächstenliebe beschäftigen. Einer der größten und schönsten Martinsumzüge mit bis zu 4000 teilnehmenden Kindern findet in Kempen am Niederrhein statt. Die Martinsumzüge sollen übrigens an den Begräbniszug des heiligen Martin erinnern: Der wurde nämlich mit einer Lichterprozession zu seiner letzten Ruhe geleitet.
In manchen Gegenden Deutschlands gibt es zudem den Brauch des Martinssingens: Kinder und Jugendliche ziehen von Haus zu Haus und erfreuen die Bewohner mit selbstgesungenen Liedern. Als Dank bekommen sie dafür Süßigkeiten, kleine Geschenke oder ein wenig Geld.
Tipps für einen stimmungsvollen Martinsumzug
Wer mit seinem Nachwuchs zum ersten Mal einen Martinsumzug besucht, sollte dabei ein paar Dinge beachten: Im Mittelpunkt steht bei den meisten Kindern an diesem Abend natürlich die eigene Laterne. Zwar kann man in Spielzeuggeschäften in diesen Tagen alle möglichen Laternen kaufen, richtig zünftig wird der Martinsumzug aber nur mit einer selbstgebastelten Laterne. In den meisten Kindergärten und Grundschulen ist das Basteln der Martinslaternen ohnehin Teil der Arbeit im Jahreskreis. Wer mit seinem Kind aber selber Hand anlegen möchte, sollte darauf achten, dass die Laterne nicht zu filigran ausfällt: Am besten eignen sich einfache, klare Formen die aus möglichst festem Karton leicht zuzuschneiden sind. Für die bunten Lichteffekte nimmt man farbiges Transparentpapier. Wichtig ist, dass die gesamte Laterne stabil und so robust ausfällt, dass sie zur Not auch mal ein paar Regentropfen oder einen „Zusammenstoß“ mit dem Vordermann im Martinszug ohne größere Schäden übersteht. Traditionell werden die Laternen mit kleinen Kerzen oder Teelichtern beleuchtet, aber da kleine Kinder und offene Flammen in der Regel keine gute Kombination sind, darf es auch ruhig der batteriebetriebene Laternenstab sein. Wichtig: Immer genügend Ersatzbatterien dabei haben!
Bei längern, öffentlichen Martinszügen, die nicht von der eigenen Gemeinde, Kita oder Schule veranstaltet werden, sollte man sich zudem rechtzeitig über die Wegstrecke und den Zug an sich informieren: Schafft mein Kind die Entfernung? Können kleinere Kinder zur Not im Kinderwagen transportiert werden? (ist nicht bei allen Umzügen gestattet!). Gibt es ein kinderfreundliches Rahmenprogramm? (Martinsfeuer, Spielszene).
Wer beim Martinsumzug mitmachen will, der muss auch singen: Am besten übt man mit dem Nachwuchs die gängigsten Martinslieder schon vorher ein (passiert in der Regel auch in Schule oder Kindergarten). Und wenn dann die Kinderaugen leuchten, das Laub raschelt und die getragene Melodie von „Laterne..Laterne…“ durch die Siedlung klingt, dürfte es wohl jedermann warm ums Herz werden.
Foto: © Fotofreundin - Fotolia.com Kommentare zum Artikel:
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