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Feste und Brauchtum: St. Martin

 

Kinderaugen, die im Laternenschein leuchten, duftendes Herbstlaub raschelt an den Füßen und viele kleine Stimmen singen Lieder von einem wohltätigen Ritter: St. Martin ist wohl eines der schönsten und stimmungsvollsten Feste, die ein Kind erleben kann. Doch wer war dieser Martin eigentlich? Und was hat es mit den Gänsen auf sich? Antworten darauf und vor allem die Frage, wie man mit seinen Kindern dieses christliche Fest begehen kann, finden sich in den nächsten Zeilen:

 

 

von Christian Brans-Schreckeneder

 

 

Der heilige Martin: Soldat, Bischof, Heiliger

 

Die Legende vom heiligen Martin, der aus Mitleid seinen Mantel mit einem Bettler teilt, ist wohl eine der bekanntesten Figuren des Christentums. Die Botschaft von Nächstenliebe, Mildtätigkeit und sozialer Verantwortung, kommt in wohl in kaum einer anderen Heiligengeschichte so gut zum Ausdruck, in der Legende vom heiligen Martin.

 

Ob sie sich allerdings wirklich so zugetragen hat, weiß natürlich niemand: Als relativ gesichert gilt, dass Martin irgendwann Anfang des 4. Jahrhunderts geboren wurde. Er war Offizier im römischen Heer und fand irgendwann während der blutigen Feldzüge in Germanien den Weg zum Christentum.

Während seiner Stationierung in Amiens, im damaligen Gallien, soll sich auch die berühmte Episode mit dem geteilten Mantel zugetragen haben.

 

Später wurde Martin dann einer der wichtigsten frühchristlichen Missionare und später Bischof der Stadt Tours. Angeblich soll sich Martin aus Bescheidenheit geweigert haben, die Wahl zum Bischof anzunehmen und versteckte sich deswegen in einem Gänsestall vor den Würdenträgern der Stadt. Da die Gänse Martin aber durch ihr Schnattern verrieten, musste er sein Amt trotzdem antreten. Den Gänsen freilich ist ihr „Verrat“ nicht gut bekommen, denn sie wurden dem frischgebackenen Bischof als Braten vorgesetzt – und Gänsebraten gehört zum Martinstag auch heute noch dazu.

 

 

Von Laternen, Liedern und Weckmännern – Martinsbräuche in Deutschland

 

Der Tag des heiligen Martin ist der 11. November. Am bekanntesten und bei den Kindern am beliebtesten sind die Martinsumzüge, die allerdings aus Termingründen auch an anderen Terminen rund um den 11.11. stattfinden können. Organisiert werden die Laternenumzüge von Schulen, Kindergärten, Kirchengemeinden oder Jugendorganisationen.

Meist reitet ein als Heiliger Martin kostümierter Darsteller auf einem Pferd dem Zug voran, gefolgt von Kindern mit Laternen.

 

Während des Umzugs singen die Kinder verschiedene Lieder, die sich mit dem Leben des Heiligen, aber auch allgemein mit den Themen Herbst, Licht und Nächstenliebe beschäftigen.

Einer der größten und schönsten Martinsumzüge mit bis zu 4000 teilnehmenden Kindern findet in Kempen am Niederrhein statt.

Die Martinsumzüge sollen übrigens an den Begräbniszug des heiligen Martin erinnern: Der wurde nämlich mit einer Lichterprozession zu seiner letzten Ruhe geleitet.

 

In manchen Gegenden Deutschlands gibt es zudem den Brauch des Martinssingens: Kinder und Jugendliche ziehen von Haus zu Haus und erfreuen die Bewohner mit selbstgesungenen Liedern. Als Dank bekommen sie dafür Süßigkeiten, kleine Geschenke oder ein wenig Geld.


Höhepunkt jedes Martinszuges ist das Martinsfeuer: Meist wird hier in einer kleinen Vorführung die berühmte Mantelteilung dargestellt. Eltern und Kinder versammeln sich um das Feuer, es wird gemeinsam gesungen, heiße Getränke wie Glühwein oder Schokolade werden ausgeteilt und die Kinder bekommen einen Weckmann oder Martinsbrezel. Dabei handelt es sich um ein Gebäck aus Hefeteig mit Rosinen oder Hagelzucker, das in manchen Gegenden auch Stutenkerl oder Puhmann heißen kann.

 

 

Tipps für einen stimmungsvollen Martinsumzug

 

Wer mit seinem Nachwuchs zum ersten Mal einen Martinsumzug besucht, sollte dabei ein paar Dinge beachten: Im Mittelpunkt steht bei den meisten Kindern an diesem Abend natürlich die eigene Laterne. Zwar kann man in Spielzeuggeschäften in diesen Tagen alle möglichen Laternen kaufen, richtig zünftig wird der Martinsumzug aber nur mit einer selbstgebastelten Laterne. In den meisten Kindergärten und Grundschulen ist das Basteln der Martinslaternen ohnehin Teil der Arbeit im Jahreskreis. Wer mit seinem Kind aber selber Hand anlegen möchte, sollte darauf achten, dass die Laterne nicht zu filigran ausfällt: Am besten eignen sich einfache, klare Formen die aus möglichst festem Karton leicht zuzuschneiden sind. Für die bunten Lichteffekte nimmt man farbiges Transparentpapier.

Wichtig ist, dass die gesamte Laterne stabil und so robust ausfällt, dass sie zur Not auch mal ein paar Regentropfen oder einen „Zusammenstoß“ mit dem Vordermann im Martinszug ohne größere Schäden übersteht. Traditionell werden die Laternen mit kleinen Kerzen oder Teelichtern beleuchtet, aber da kleine Kinder und offene Flammen in der Regel keine gute Kombination sind, darf es auch ruhig der batteriebetriebene Laternenstab sein. Wichtig: Immer genügend Ersatzbatterien dabei haben!

 

Bei längern, öffentlichen Martinszügen, die nicht von der eigenen Gemeinde, Kita oder Schule veranstaltet werden, sollte man sich zudem rechtzeitig über die Wegstrecke und den Zug an sich informieren: Schafft mein Kind die Entfernung? Können kleinere Kinder zur Not im Kinderwagen transportiert werden? (ist nicht bei allen Umzügen gestattet!). Gibt es ein kinderfreundliches Rahmenprogramm? (Martinsfeuer, Spielszene).

 

Wer beim Martinsumzug mitmachen will, der muss auch singen: Am besten übt man mit dem Nachwuchs die gängigsten Martinslieder schon vorher ein (passiert in der Regel auch in Schule oder Kindergarten). Und wenn dann die Kinderaugen leuchten, das Laub raschelt und die getragene Melodie von „Laterne..Laterne…“ durch die Siedlung klingt, dürfte es wohl jedermann warm ums Herz werden.

 

Foto: © Fotofreundin - Fotolia.com
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© erdenbuerger - Fotolia.com

Kommentare zum Artikel:

Anika aus Bottrop
#4Donnerstag, 11.11.10 21:44

Ein super Beitrag, sehr ausführlich und perfekt verpackt...Mit guten Tipps...

Meine Maus war heute 11.11. im Kindergarten beim Martinsfest und hatte super viel Spaß und morgen werden Wir uns einen Umzug in Voerde anschauen mit Mantelteilung am Martinsfeuer...

LG Anika aus Bottrop

Sylke aus Bottrop
#3Montag, 08.11.10 21:25

Kann mich auch nur anschließen.Besser und ausführlicher geht nicht.Am Mittwoch ist bei uns im KiGa der Martins-Umzug und mein kleiner Mann freut sich auch schon drauf und hat seine Laterne selber im KiGa gebastelt.Bei uns gehen auch nur die Eltern der ganz kleinen mit da es wirklich so wie Tatjana schon schreibt durch die Eltern gestört wird weil viele meinen es wäre ein Kaffeklatsch was für mich völlig unverständlich.

 

LG Sylke aus Bottrop

Jenny aus Bergheim
#2Montag, 08.11.10 20:25

schliesse mich Tatjana an.. super beitrag.

Meine große SIngt schon seit Tagen nur noch Martinslieder und sie war sooo stolz das sie ihre erste Laterne im Kiga selber gebastelt hat.

 

Ich finde das auch Traurig wie Tatjana schon schrieb mit dem Halloween. Hier ist das leider auch schon mehr im Trend wie das MArtinssingen.

 

Ich werde auf dem Heimweg vom Schulhof (der ca. 500Meter von unserem Zuhause weg ist) mit Ciara an jeder Tür klingeln. :) Mal sehen wie viele denn hier noch aufmachen. Ciara geht morgen das erste mal im Kiga mit und die Eltern sind herzlich Willkommen mit zu laufen und ich muss sagen ich freue mich auch wenn ich die ganzen kleinen singen höre und das strahlen in ihren Augen sehe.

 

Lg Jenny mit Ciara und Nico die morgen 9.11 am Martinszug teilnehmen

Tatjana aus Bottrop
#1Montag, 08.11.10 20:15

dem ist nichts mehr hinzuzufügen... toller Beitrag!!!

Meine Kinder freuen sich auch schon auf die Martinsfeier... Leider wurde hier das von Tür zu Tür gehen auf Halloween vorverlegt... 

Unser Martinszug vom Kiga ist ohne Eltern, weil diese leider meist durch ihr Gequatsche die Kinder am Mitsingen hindern!

 

LG Tatjana aus Bottrop

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