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Kleine Wasserratten – Kinder müssen Schwimmen lernen!

 

Kinder und Wasser – das scheint eine fast magische Kombination zu sein. Fast alle Kinder lieben es im Wasser zu spielen, zu toben und zu plantschen. Leider ertrinken aber auch jedes Jahr immer wieder Kinder, weil sie nicht richtig schwimmen können. Ertrinken ist sogar die zweithäufigste Todesursache und viele Sportverbände und Ärzte beklagen, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Mangelndes Interesse vieler Eltern, fehlende Schwimmbäder in überschuldeten Kommunen und der Mangel an qualifizierten Lehrkräften im Schulschwimmen sind nur einige Faktoren. Wer also will, dass sein Kind sicher schwimmen lernt, muss selbst aktiv werden.

 

von Christian Brans-Schreckeneder

 

 

So früh wie möglich beginnen

 

Schwimmen ist eine elementare Kulturtechnik, die die Menschheit bereits seit Jahrtausenden beherrscht. Wer sein Kind ans nasse Element gewöhnen will, sollte damit so früh wie möglich anfangen. In den meisten großen öffentlichen Bädern werden sogenannte Baby-Schwimmkurse angeboten. Mit spielerischen Übungen werden hier bereits Säuglinge an das Körpergefühl im Wasser gewöhnt. Richtig Schwimmen lernen die Kleinen hier aber noch nicht, auch hat häufiges Babyschwimmen keinen Einfluss darauf, wie sich der Nachwuchs später im Wasser anstellt.

Für etwas ältere Kinder werden sogenannte Wassergewöhnungskurse angeboten. Hier lernen die kleinen Wasserratten zum Beispiel das Luft anhalten beim Untertauchen, das Hüpfen vom Beckenrand oder machen einfache Schwimmübungen mit Hilfsmitteln wie Schwimmflügeln oder Brettern.

 

Paddeln oder Plantschen – wie Kinder schwimmen

 

Richtiges Schwimmen beginnt meist im Alter von etwa vier Jahren. Erst dann sind Kinder von ihrer Motorik und Bewegungskoordination her in der Lage, sich durch Schwimmbewegungen bewusst über Wasser zu halten. Meist passiert dies im sogenannten „Hundestil“, bei dem die Kinder mit Händen und Füßen im Wasser paddeln. Um richtige Schwimmzüge auszuführen, bei denen auch Atmung und Beinarbeit vorhanden sind braucht es aber mehr. Für die meisten Kinder sind Kraulbewegungen zunächst am schnellsten zu erlernen, da die Bewegungsabläufe hier besonders einfach sind. Richtige Brustschwimmzüge gelingen meist erst Kindern im Vorschulalter. Wann ein Kind „reif“ genug ist, um an einem richtigen Schwimmkurs teilzunehmen, ist unterschiedlich. Dies hängt von der allgemeinen motorischen und geistigen Entwicklung ab. Ein guter Richtwert ist das Fahrradfahren - Kann sich ein Kind alleine und ohne Stützräder sicher auf dem Rad fortbewegen, kann es auch schwimmen lernen.

 

Idealerweise beginnt man mit dem Schwimmunterricht bereits vor der Einschulung. Denn wer sich allein auf das Schulschwimmen verlässt, muss oft mit Defiziten rechnen. In vielen Grundschulen wird Schwimmen nicht ab der ersten Klasse angeboten. Zudem sind viele Lehrer, die zum Schwimmunterricht abgestellt werden zwar im Besitz der sogenannten Rettungsfähigkeit, unterrichten aber normalerweise andere Fächer. Ausgebildete Sportlehrer mit dem Schwerpunkt Schwimmen sind an vielen Schulen nicht vorhanden.

 

Schwimmen lernen – aber von wem?

 

Es spricht nichts dagegen, wenn Eltern versuchen ihren Kindern in Eigenregie das Schwimmen beizubringen. Allerdings sollte man das nur tun, wenn man selber absolut sicher im nassen Element ist und das Schwimmen wirklich sicher beherrscht. Wer das nicht von sich behaupten kann, tut gut daran sein Kind bei einem ausgebildeten Schwimmlehrer anzumelden. Das kostet zwar Geld, aber dafür befindet sich der Nachwuchs in professionellen Händen und bekommt auf kindgerechte Weise, Schritt für Schritt, die wichtigsten Schwimmtechniken beigebracht. Zudem ist die kleine Wasserratte mit Altersgenossen zusammen und aus einem erfolgreich absolvierten Schwimmkurs mag schnell Begeisterung für die Sportart werden. Schwimmen im Verein ist immer noch eine der beliebtesten Sportarten unter Kinder und  Jugendlichen.

 

Nicht überfordern und nicht überschätzen!

 

Der erste und zunächst mal wichtigste Meilenstein in der „Schwimmkarriere“ eines Kindes ist das Seepferdchen. Dazu muss der Nachwuchs eine Strecke von 25 Metern bewältigen, ins schwimmtiefe Wasser springen und einen Gegenstand (meist einen Ring) mit den Händen aus schultertiefem Wasser holen. Ist das geschafft, gibt es eine Urkunde und das begehrte Abzeichen, dass dann Badeanzug oder Badehose ziert. Im Schulalter können dann noch die Schwimmabzeichen in Bronze, Silber und Gold erworben werden. Auch wenn sich der Nachwuchs mit dem frisch erworbenen Seepferdchen-Sticker wie unbesiegbar fühlt. Eine Garantie für sicheres Schwimmen ist dieses Abzeichen nicht! Insbesondere in Badeseen oder im Meer, wo gänzlich andere Bedingungen, als im heimischen Schwimmbad herrschen, sind die kleinen Seepferdchen meist wieder so unsicher wie Nichtschwimmer. Regelmäßiges Üben und häufige Besuche von Freibad oder Baggersee sind also Pflicht, wenn der Schwimmnachwuchs nicht zur bleiernen Ente werden soll.

 

Sicherheit geht vor!

 

Kleinstkinder und Nichtschwimmer müssen am Wasser ständig beaufsichtigt werden. Ist der Kopf erst mal untergetaucht, verlieren kleine Kinder sofort die Orientierung und können auch im flachen Wasser ertrinken, da sie die Richtung zur rettenden Wasseroberfläche nicht mehr wiederfinden. Schwimmflügel oder Schwimmreifen sind keine Rettungsmittel und verhindern nicht das Untergehen! Solange ein Kind nicht schwimmen gelernt hat, sollte es sich nur im Kinderbecken, bzw. der Uferzone eines Gewässer aufhalten, also im maximal knietiefen Wasser.

 

Auch ältere Kinder, die bereits das „Seepferdchen“ absolviert haben, sollten immer unter der Obacht eines Erwachsenen stehen, vor allem in Badeseen oder im Meer.

 

 

Foto: © FrankU - Fotolia.com

© fotorena.de - Fotolia.com

© Volker Skibbe - Fotolia.com

Kommentare zum Artikel:

Tatjana aus Bottrop
#1Montag, 08.11.10 20:41

Ja , das seh ich auch so. Schwimmen ist sehr wichtig... Ein Kind muß NICHT Gitarre spielen können, nicht Rad fahren können aber SCHWIMMEN das muß jedes Kind können, weil Wasser sooo gefährlich ist.

Allerdings finde ich doch das frühe Gewöhnung ans Wasser förderlich und unterstützend für das später schwimmen lernen ist, da die Kinder hier schon ein Gefühl fürs Wasser bekommen und dann keine Angst haben...

 

LG Tatjana

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